28.02.2018 17:19

Der Einfluss von Nootropika auf die Gesellschaft

Vor ein paar Wochen war ich auf der Brave New World Konferenz in Leiden in den Niederlanden. Ich hatte mich sehr auf dieses Ereignis gefreut, besonders wegen der Anwesenheit von Neil Harbisson, einem Cyborg Künstler. Er erhielt ein Gehirnimplantat, als er 20 Jahre alt war. Als ich diese Geschichte hörte, realisierte ich, dass der Chip in meiner Hand gar nicht so besonders ist. Genauso wenig wie die Nootropika, die ich einnehme. Neil ist ein richtiger Biohacker. Er wendet Elektronik an seinem Gehirn an, um sich selbst zu verbessern.

Farben hören

Neil Harbisson wurde farbenblind geboren. Mit seinem Implantat ist er in der Lage, Farben zu hören. Man könnte sagen, dass Neil nicht die vollständigen Fähigkeiten hatte wie der Rest der Gesellschaft und dass er jetzt auf dem gleichen Level an ihr teilnehmen kann.

Immerhin basieren viele Dinge in der Welt auf Farben. Nicht nur Ampeln, sondern auch Karten des Straßenbahnnetzwerkes und die Art, wie wir uns in der Welt zu recht finden. Jetzt, mit Apps wie Google Maps, kommt es weniger häufig vor, aber wenn ich früher jemandem den Weg zu meinem Dorf erklären musste?

Dann erwähnte ich Farben oft als Adjektiv: „Gehen sie bei dem Haus mit dem blauen Dach nach rechts und dann links bei dem Gebäude mit den lila Vorhängen.“

Farben in unserer Kultur

Farbe nimmt in unserer Kultur eine dominante Rolle ein. Nicht nur wenn es darum geht, Orte oder Straßenbahnrouten zu finden. Denken sie zum Beispiel an das Rote Meer, das Rote Kreuz und ‘Die Blauen‘ (Manchester City). Wenn Sie nicht über die sensorische Erfahrung des ‘Farben Sehens’ verfügen, dann hinken Sie auch kulturell hinterher. Nicht, dass das Rote Meer sehr rot wäre, aber trotzdem.

Neil kann sich jetzt zum Rest der Gesellschaft gesellen, der Farben sehen kann. Er kann damit sogar noch mehr machen. Zuerst einmal ist Neils Implantat via Bluetooth mit seinem Smartphone verbunden. Damit kann er Fotos runterladen und sie anhören. Ein Freund schickt ihm ab und zu ein Foto von einem Sonnenuntergang in Australien und er hört sich die Fotos an, die von der International Space Station (ISS) aufgenommen wurden. Er sagt sich selbst: „Das Weltall ist voller Farben. Die meisten Leute bemerken das nicht.“

Der zweite Vorteil, den Neil hat, ist, dass das Farbspektrum, das er hören kann, breiter ist als das Spektrum, das wir mit unseren Augen sehen können. Er ist auch in der Lage infrarot und ultraviolett zu hören.

Unfairer Vorteil

Waren die Rollen vorher nicht vertauscht gewesen? Mit seiner Bluetooth Verbindung und seinem ausgedehnten Farbspektrum hat er mehr Möglichkeiten als wir. Er hat sich selbst ein Upgrade verschafft. Ihm zufolge ist das ein grundlegendes Recht: er denkt, dass jeder diese Gelegenheit haben sollte. Zumindest jeder, der sie möchte.

Ich fragte Neil, ob das nicht zu einem Klassenunterschied führen wird. Werden bald nur die Reichen in der Welt fähig sein, solch eine Technologie zu kaufen und zu nutzen? Seine Antwort darauf ist, dass es eine freie Wahl bleiben muss.

Persönlich stimme ich dem zu, aber was passiert, wenn eine Menge Leute diese (individuelle) Wahl treffen und du dann nicht zurückbleiben kannst? Ein alternativ Szenario ist, dass es Ihnen teilweise aufgezwungen werden könnte, zum Beispiel von den Eltern, Arbeitgebern oder der Regierung.

Menschliche Verbesserung

Die Entwicklung, die Neil repräsentiert, wird auch ‘menschliche Verbesserung‘ genannt: Technologie hinzufügen, um Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu verbessern. Im Wesentlichen ist das nichts Neues. Wenn Sie eine Brille tragen, haben Sie sich ebenfalls künstlich verbessert: nämlich die Fähigkeit weit entfernte oder nahe Dinge scharf zu sehen.

Das Gleiche gilt für ein Handy: direkte Kommunikation mit Menschen, die hunderte von Kilometern entfernt sind. Die aktuellen Smartphones optimieren auch noch andere Funktionen. Denken Sie an Evernote, um Notizen und Erinnerungen zu notieren, ein digitaler Kalender, um Treffen einzutragen und Übersetzungs Apps, um andere Sprachen zu verstehen.

Die Matrix

Die äußerste Form der ‘menschlichen Verbesserung‘ ist, wenn die künstliche Intelligenz direkt mit der menschlichen Intelligenz verbunden wird. Dies ist die Zukunftsvision, die die Wachowski Brüder in ihrem ersten Film über die Matrix Trilogie zeigen.

Darin wird eine Software direkt in das Gehirn von Neo, gespielt von Keanu Reeves, runtergeladen. Nachdem er einige Stunden direkt mit einem Computer verbunden wurde, hat er das höchste Level in Karate, Kung-Fu, Jiu Jitsu und allen anderen asiatischen Kampfkünsten erreicht.

Tiefe Hirnstimulation

Wie lange werden Filme wie Die Matrix noch Science Fiction bleiben? Die Neurowissenschaften entwickeln sich ziemlich schnell. So führen zum Beispiel Mediziner und Wissenschaftler Experimente mit tiefer Hirnstimulation mit Patienten, die an Parkinson leiden, durch.

Das bedeutet, dass alle Vibrationen und Erschütterungen eines Patienten verschwinden, wenn die Forscher einen leichten elektrischen Strom durch eine Nadel in das Gehirn des Patienten leiten. Tatsächlich erlangt der Patient seine oder ihre feinmotorischen Fähigkeiten wieder. Ein Beispiel kann in diesem Video gesehen werden.

Der nächste Schritt in dieser Entwicklung wird sein, dass ‘tiefe Hirnstimulation‘ nicht nur dazu verwendet wird, damit sich kranke Leute wieder besser fühlen, sondern auch um durchschnittliche Menschen noch besser zu machen. Dies ist, unter anderen Dingen, die Vision von Elon Musk und der Firma Neuralink. Mit einem Gehirnimplantat können wir die künstliche Intelligenz direkt mit der menschlichen Intelligenz verbinden.

Die Rolle von Nootropika

Bis zu dem Moment, in dem wir durch das Aktivieren eines Gehirnimplantats sofort 1000 extra IQ Punkte oder einen ‘sofortigen Fokus‘ erhalten, müssen wir die momentanen Möglichkeiten nutzen. Solche wie gesundes Essen, eine schlafreiche Nacht und das Einnehmen von Nootropika.

Was bedeutet diese Zukunftsvision für die Art, wie wir jetzt auf Nootropika schauen? Ich persönlich erlebe die Vorteile: ein schärferer Fokus, mehr Konzentration und ein besseres Gedächtnis. Aber was passiert, wenn Nootropika die Norm werden? Es könnte soziale Auswirkungen haben: was passiert, wenn Sie sich weigern Nootropika einzunehmen?

Oder denken wir an ein anderes Szenario (aber nicht undenkbar in Berufen, die einen starken Fokus erfordern, wie Aktienhändler oder Poker Spieler): Ihr Arbeitgeber fordert, dass Sie Nootropika einnehmen. Ein Moment verlorener Konzentration kann einen großen finanziellen Verlust bedeuten.

Auswirkung

Nootropika zu verwenden, ist eine freie und individuelle Entscheidung. Meiner Meinung nach bleibt dies auch der Fall. Sie können für sich selbst entscheiden, ob Sie sie verwenden möchten oder nicht. Aber was wäre, wenn wir unsere Gehirne noch tiefgreifender beeinflussen können? Dann kann es Konsequenzen auf Ihr berufliches Leben, Ihr soziales Leben und darauf, wie wir in der Gesellschaft mit einander interagieren, haben.

Aus diesem Grund müssen wir bereits jetzt darüber nachdenken und es diskutieren.

Mit oder ohne Nootropika. Sie haben immer noch diese Wahl.

 

Autor

Dieser Artikel wurde von Peter Joosten geschrieben. Peter ist Trendbeobachter, Biohacker,menschliches Versuchskaninchen, Blogger auf ProjectLeven.nl und ein Biohack Vlogger aufYoutube.

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Peter Joosten